ROM, 2. November 2009 (ZENIT.org).- Für Bulgarien sei der Berliner Mauerfall vor 20 Jahren Impuls zu einem Demokratisierungsprozess geworden, der vor zwei Jahren mit der Aufnahme in die Europäische Union ein Ziel erreichte, erklärte Papst Benedikt XVI. am vergangenen Samstag, 31. Oktober, gegenüber dem neuen bulgarischen Botschafter am Heiligen Stuhl, Nikoka Kaludov. Dies dürfe jedoch nicht vergessen lassen, dass Einheit unter den Staaten des Kontinents auf vom Christentum ererbten Werten gründen müsse.
Dazu gehörten die Achtung von Rechten sowie eine Praxis der Solidarität, meinte der Papst in seiner Ansprache zur Übergabe der Beglaubigungsschreiben.
Diese 18 Jahre zwischen dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Aufnahme Bulgariens in die Europäische Union habe das postkommunistische Bulgarien gebraucht, um seine jüngste Geschichte zu schreiben.
Benedikt XVI. würdigte auf so die Anstrengungen des osteuropäischen Staates, um 2007 die Integration in die Europäische Union zu erreichen. Im Prozess des Aufbaus Europas dürften Nationen aber nicht ihre kulturelle Identität aufopfern. Es müssten vielmehr Wege gefunden werden, damit jede besondere Identität die gesamte Gemeinschaft bereichere.
Bulgarien habe ein reiches antikes christliches Erbe vorzuweisen, das es für Gegenwart und Zukunft zu verwenden gelte. Dies sei ein „Schatz an Werten und Überzeugungen“, der Bulgarien mit anderen Länder Europas dazu drängen müsse, „die Bedingungen für einen gelungene Globalisierung zu schaffen“.
Damit die Globalisierung positiv gelebt werden könne, sei es notwendig, dass sie im Dienst des „ganzen Menschen und aller Menschen“ stehe. Diese Prinzip sei im Besonderen in der jüngsten Enzyklika Caritas in veritate hervorgehoben worden (Nr. 76-77). Die Entwicklung müsse außer dem materiellen auch ein geistig-geistliches Wachstum umfassen und der ganzen Person Rechnung tragen. Das Maß des Menschen liege nicht im Haben, sondern in der Entwicklung aller, in seiner Natur verborgenen Anlagen.
Das Wachstums des Einzelnen und der Gesellschaft auf ethisch-geistlicher Ebene erfordere einen große moralischen Einsatz seitens der öffentlichen Verantwortungsträger, um effizient und uneigennützig zu arbeiten.
Die christliche Kultur sei kein Relikt der Vergangenheit, sondern Garantie für eine vielversprechende Zukunft.
Er wünsche sich eine Vertiefung der guten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Bulgarien, so der Papst. Die Kirche Bulgariens bebsichtige, im Zeichen des Dialogs zwischen den zahlreichen religiösen Bekenntnissen des Landes für das Wohl der Nation zu arbeiten. Damit ein derartiger Dialog fruchtbar werde, bedürfe es einer gegenseitigen Kenntnis und Achtung.
Der Papst versicherte abschließend den Willen der katholischen Gemeinde Bulgariens, großherzig für alle offen zu sein und mit allen zusammenzuarbeiten.
















