ZG09110203 - 02.11.2009
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„Wir brauchen eine geistliche Ökumene“


Feiern zum 10. Jahrestag der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“


ROM, 2. November 2009 (ZENIT.org/dbk.de).- Mit einem ökumenischen Festgottesdienst sind am Samstag die Feierlichkeiten zum 10. Jahrestag der Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ (GE) in Augsburg zu Ende gegangen. Methodisten, Lutheraner und Katholiken unterstrichen dabei, wie viel im ökumenischen Gespräch der vergangenen Jahre erreicht sei. (ZENIT berichtete)

Der Augsburger Bischof Dr. Walter Mixa würdigte das Erreichte und hob hervor: „Auf diesem Weg wachsender Übereinstimmung ist die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre ein Meilenstein. Ein Meilenstein ist eine wichtige Wegmarke, aber noch kein Zielpunkt. Der Ehrlichkeit halber müssen wir sagen: Der Weg ist noch weit, bis alle Unterschiede im Glauben aufgearbeitet sind. Packen wir's an. Der heutige Tag ist auch Anlass zur Bitte: Ut unum sint.“


Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen in Rom, Walter Kardinal Kasper, bezeichnete in seiner Predigt die Gemeinsame Erklärung als ein Wirken des Heiligen Geistes. „Dafür und für viele, viele andere Schritte, die seither möglich waren, können wir gar nicht genug dankbar sein. Das gottlose Gejammer über vermeintlichen Stillstand in der Ökumene und die elende Miesmacherei, die spießig nur sieht, was alles noch nicht erreicht ist, die aber vergisst, was uns auch in den letzten Jahren geschenkt worden ist, sind bare Undankbarkeit“, so Kasper.

Es sei notwendig, eine „Geistliche Ökumene“ zu schaffen, die sich in den letzten Jahren entwickelt habe. „Ökumene ist letztlich kein Selbstzweck; sie zielt über sich hinaus auf die Versöhnung, die Einheit und den Frieden in der Welt. Lasst uns also Vortrupp und Vorposten dieser Einheit sein“, sagte Kasper.

Durch die Kraft des Heiligen Geistes hätten die Menschen Anteil an der Mission Gottes, betonte der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfr. Dr. Ishmael Noko, der ebenfalls im ökumenischen Festgottesdienst predigte. Dies befähige Christinnen und Christen dazu, „die allgegenwärtigen Kräfte der Spaltung in Kirche und Gesellschaft zu überwinden“. Dies versetze die Menschen aber auch in die Lage, „verantwortungsbewusst nach Möglichkeiten zu suchen, wie die Feindbilder entschärft werden können, die uns von dem Geschenk der Gemeinschaft mit Gott und miteinander trennen und uns isolieren.“ Als Bürger im Reich Christi, dessen Fundament Gottes Vergebung sei, „sind wir hineingenommen in die Gemeinschaft mit Gott in Christus und mit einander. Mauern, die trennen, isolieren oder gefangen halten, werden niedergerissen“, so Noko, der 1999 neben Kardinal Kasper zu den Unterzeichnern der GE gehörte.


Bereits am Vormittag hatten der langjährige Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, Dr. Walter Klaiber, und der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, die Gemeinsame Erklärung gewürdigt. Klaiber unterstrich in seinem Referat die zeitlose Bedeutung der Rechtfertigungsbotschaft. Sie befreie Menschen vom zerstörerischen Zwang, das eigene Leben durch Erfolg, Leistung oder Besitz rechtfertigen zu müssen, und von der tödlichen Verzweiflung zu meinen, mangels solcher Selbstrechtfertigung sei das Leben verfehlt und ohne Wert und Sinn. „Wir müssen deshalb mit den Erfolglosen und den Erfolgreichen, mit den Selbstzufriedenen und den an sich Zweifelnden und Verzweifelnden durchbuchstabieren, was Gottes Ja zu ihrem Leben für sie bedeutet: Befreiung zu einer Würde des Lebens, die nicht im Produkt unseres Tuns liegt oder an unerfüllten Leistungen scheitert, sondern in der Liebe Gottes begründet ist“, so Klaiber. Der Weltrat Methodistischer Kirchen hatte 2006 die GE unterzeichnet.


Kardinal Lehmann betonte, dass das ökumenische Gespräch auf der Grundlage der Gemeinsamen Erklärung fortgeführt werden müsse. „Auch wenn Fragen bleiben, die noch bewältigt werden müssen, ist die Gemeinsame Erklärung ein sehr wichtiger Schritt beider Kirchen, um den trennenden Kernbereich im Verständnis der Rechtfertigungsbotschaft zwischen den Kirchen zu entschärfen. Die Formulierung ‚Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre’ trifft den erreichen Stand recht gut: Es ist ein echtes Einvernehmen in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre, aber es ist kein alle Fragen erschöpfender Konsens“, so Kardinal Lehmann.

Es blieben noch einige Bereiche, die weiterer Beachtung in den kommenden ökumenischen Gesprächen verdienten. Lehmann bedauerte in Augsburg, dass die Erklärung in mancher Hinsicht bisher folgenlos geblieben sei, „weil man sie nicht weiter vertieft, umgesetzt und so auch spirituell fruchtbar gemacht hat. Sie muss darum zu einem neuen Aufbruchsignal werden. Dann kann sie auch in den kommenden und weiterführenden ökumenischen Gesprächen noch fruchtbarer werden, besonders beim vordringlichen Thema Kirche und Rechtfertigung.“


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